Kategorie Veranstaltung Ehrenamt

„Heute Abend haben wir was vor“

Von: Julia Nemetschek-Renz

Eigentlich wollten sie mit dieser Seniorendisco erstmal vorfühlen, wie das so ankommt, ob die älteren Menschen überhaupt Lust haben auf Tanz und Schwof am Abend – hatten sie! Sie rannten ihnen die Bude ein. Schon eine Woche vorher waren die 200 Karten für die Seniorendisco vergeben und die beiden Organisatoren und VdK-Ortsverbandsvorsitzenden Christian Sigwarth und Margitta Alter blickten begeistert, stolz und auch ein bisschen ungläubig auf die tanzende Menschenmenge. 

Innenansicht des Saals, überall sind tanzende und feiernde Menschen zu sehen, dazu bunte Lichter.
Seniorendisco in Karlsdorf-Neuthard – die 200 Karten waren schon eine Woche vorher vergeben. © VdK LV / Julia Nemetschek-Renz

Gemeinsam hatten derExterner Link: VdK Neuthard und der Externer Link:VdK Karlsdorf die Externer Link:Veranstaltung geplant und eins ist schon heute klar: Das war nicht die letzte Seniorendisco in Karlsdorf-Neuthard.

Heidemarie Baumgärtner lacht schallend. „Wann ich das letzte Mal in der Disco war?“ Sie kichert. Das sei mit Sicherheit 30 Jahre her. Sie ist 80 Jahre alt, sitzt mit ihren sieben Freundinnen am Tisch in der Bruchbühlhalle in Karlsdorf-Neuthard. Als sie hörte, dass hier eine Externer Link:Seniorendisco steigt, hat sie sich gleich eine der kostenlosen Karten organisiert. „Klar wollen wir mal wieder in die Disco!“

Schon eine Woche vor der Veranstaltung waren die Karten vergeben. „Die Menschen haben sie uns aus der Hand gerissen“, erzählt Margitta Alter, VdK-Ortsverbandsvorsitzende von Neuthard. Und dabei sollte das hier ja erstmal ein Testballon sein. Die Idee entstand im Februar, zwei Vorstände dachten, sowas fehlt doch hier in Neuthard. 

Der eine, Klaus Voges, sitzt jetzt als DJ am Mischpult, seine Frau Sandra Kutterer sprach gleich den Bürgermeister an. Vorher hatten sie noch den VdK Karlsdorf ins Boot geholt. Ortsverbandsvorsitzender Christian Sigwarth war begeistert und fragte seinen Karlsdorfer Vorstand in einer WhatsApp-Gruppe: Machen wir mit? Alle waren dafür. 

Und der Bürgermeister Dr. Gunter Carra? Fand die Idee sofort „Grandios“, wie er am Stehtisch in der Festhalle erzählt. „Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten Tagen auf der Straße angesprochen wurde, ob ich noch Karten habe.“ Die beiden VdKs gehörten in Karlsdorf-Neuthard zu den großen Vereinen. Auf knapp 11.000 Einwohner kommen 1.000 VdK-Mitglieder. Der Bürgermeister übernimmt die Schirmherrschaft und sagt Unterstützung zu: Die Stadt stellt die Festhalle zur Verfügung, übernimmt die Versicherung, die GEMA-Gebühren (Musik der 60er/70er/80er steht auf dem Programm) und lässt Geschirr in die Halle transportieren. 

Alle sollen teilhaben können, das war den Organisatoren mit am Wichtigsten. Und so ist schnell klar: Die Karten sind kostenlos, die Preise für Getränke, Würstchen und Käsebrötchen sollen nur die Kosten decken. Kir Royal gibt es für 1.50 Euro. Und die Zeit? So, dass möglichst viele Menschen kommen können: 18 Uhr bis 22 Uhr. Die ersten sind schon um 17.30 Uhr da, die meisten gehen erst nach 23 Uhr. Und keine Grußworte und Reden, sei ja eine Disco, sagt Christian Sigwarth.

Karlheinz Rheinthal, VdK-Karlsdorf, steht hinter der Getränketheke, legt den Arm um seinen VdK-Kollegen HaJo Alles, und schaut in die Halle. Vorn die gefüllte Tanzfläche, bunte flackernde Lichter, „Du kannst nicht immer 17 sein!“ aus den Lautsprechern, ein breiter Gang in der Mitte, ein Sitzplatz für jeden. Die Musik nicht dröhnend laut, damit man sich an den Tischen noch gut unterhalten kann. 

„Wir wollten den Menschen drei bis vier schöne Stunden schenken, in denen sie alle Sorgen vergessen“, erzählt Karlheinz Rheinthal. Er lebt in einem Mehrgenerationenhaus mit seinen Enkeln zusammen. Und ganz egal in welchem Alter, sagt er, gehe gerade viel Angst um. Vor Krieg, vor Sozialabbau. Vor: Wie wird das werden? Er lächelt und ist stolz auf das, was die beiden VdKs hier heute geschaffen haben, gemeinsam. 

„Das war doch ein Schuss ins Ungewisse. Und jetzt haben die Menschen so eine große Freude hier und die Stimmung ist so gut.“ Auch die Organisation habe zusammen im Team so einen Spaß gemacht. Auf der Tanzfläche vorn wirbelt eine Frau einen Mann im Rollstuhl herum, fährt ihn vor und zurück, im Kreis herum, rückwärts quer über die ganze Tanzfläche. An der Seite steht eine blonde Frau, Sylvia Schwarz. Und lacht. „Mit ihr ufert das immer so aus!“ Es sind ihr Mann und ihre Mutter., die da tanzen. Sylvia Schwarz feiert heute ihren 51. Geburtstag. Ihre 80-jährige Mutter habe sie angerufen und gesagt: „Heute Abend haben wir was vor!“

Und Heidemarie Baumgärtner? Vorn am Tisch mit ihren Freundinnen? Wie fand sie das heute so? „Ganz klar eine 10 von 10“, sagt sie.           

Monatskalender auf einem Papier, darauf liegen Stifte, daneben steht eine Kaffeetasse und eine Brille. Die Monatstage sind bunt markiert, eingekringelt und hervorgehoben mit verschieden farbigen Stiften.

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