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Starkes Zeichen für Demokratie

Rund 200 Menschen sind Ende Februar dem Aufruf des VdK Ortsverbands Waldkirch gefolgt und haben in der Innenstadt auf dem Marktplatz ein sichtbares Zeichen für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt gesetzt. Unter dem Motto „Demokratie braucht uns alle“ versammelten sich Bürgerinnen und Bürger zu einer friedlichen Demonstration mit insgesamt sechs Rednerinnen und Rednern.

Demonstration in Waldkirch, mehrere Menschen verfolgen die politsche Rede von Herrn Volkers.
Jürgen Volkers spricht in der Innenstadt von Waldkirch und ruft die Menschen dazu auf, wählen zu gehen. „Wir haben einen politischen Auftrag!“, sagt Waldkirchs VdK-Ortsverbandsvorsitzender. © VdK / OV Waldkirch

Politischer Auftrag des Sozialverbands VdK

Im Mittelpunkt der Kundgebung stand eine klare Botschaft: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit – sie lebt vom Engagement der Menschen. Der Vorsitzende des VdK-Ortsverbands, Jürgen Volkers, betonte in seiner Rede die zentrale Bedeutung des ersten Artikels des Grundgesetzes. „Artikel 1 ist das Fundament unserer Demokratie“, sagte Volkers unter dem Applaus der Teilnehmenden. Mit Verweis auf das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland erinnerte er daran: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Dieser Satz sei nicht nur ein moralischer Anspruch, sondern ein klarer Auftrag an Staat und Gesellschaft.

Zugleich hob Volkers die Rolle des Sozialstaats hervor. Demokratie könne nur dort wirklich gelebt werden, wo soziale Sicherheit gewährleistet sei. „Der Sozialstaat sorgt dafür, dass Demokratie möglich ist“, erklärte er. Wer Angst um seine Existenz haben müsse, habe es schwer, sich aktiv einzubringen oder politische Teilhabe wahrzunehmen. Soziale Gerechtigkeit und demokratische Stabilität gehörten untrennbar zusammen.

Auch die weiteren fünf Rednerinnen und Redner setzten positive Signale für die Demokratie. Sie warben für Respekt im gesellschaftlichen Miteinander, für Solidarität zwischen den Generationen und für den Schutz von Minderheiten. Mehrfach wurde betont, dass Vielfalt eine Stärke sei und demokratische Werte verteidigt werden müssten – im Alltag ebenso wie an der Wahlurne.

Ortsverband Waldkirch ruft zum wählen auf

Trotz unterschiedlicher Schwerpunkte herrschte Einigkeit in einem Punkt: Alle Rednerinnen und Redner riefen die Anwesenden eindringlich dazu auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. „Geht wählen“, lautete der wiederholte Appell. Jede Stimme zähle, um die demokratischen Grundwerte zu stärken und extremistischen Tendenzen entschieden entgegenzutreten. 

Die Demonstration verlief friedlich und wurde von vielen Passantinnen und Passanten aufmerksam verfolgt. Mit Transparenten, Gesprächen und Applaus machten die rund 200 Teilnehmenden deutlich, dass ihnen Demokratie und sozialer Zusammenhalt in Waldkirch am Herzen liegen. 

Am Ende stand ein klares gemeinsames Signal: Demokratie braucht Engagement – und sie braucht Menschen, die ihre Stimme nutzen. 

Interview mit Jürgen Volkers

Der Sozialverband VdK habe selbstverständlich einen klaren politischen Auftrag, sagt Jürgen Volkers und erklärt im Interview, warum er stolz ist auf die wehrhafte Satzung des Sozialverbands VdK, wieso die kommunale Vernetzung so zentral ist und was er sich von der neuen Landesregierung wünscht.

Im Landtagswahlkampf haben Sie eine Kundgebung in der Waldkircher Innenstadt organisiert und zu 200 Menschen gesagt: Artikel 1 des Grundgesetzes ist das Fundament unserer Demokratie. Dieser Satz sei nicht nur moralischer Anspruch, sondern klarer Auftrag an Staat und Gesellschaft.

Die Würde des Menschen ist unantastbar! Das steht in Artikel 1 unserer Verfassung. Und das beinhaltet alles, was wir zwischenmenschlich berücksichtigen müssen. Wenn ich den Menschen achte, komme ich nicht auf die Idee, ihn herabzuwürdigen. Sehen wir den Menschen in der Arbeitswelt nur noch als Ressource, dann entmenschlicht ihn das. Genauso bei den geflüchteten Menschen. Sehen wir in ihnen nur noch den Kostenfaktor, entmenschlicht das den Menschen. Und das sehen wir überall: Wenn sogar unser Bundeskanzler sich nicht zu fein ist, über das angeblich bedenkliche Stadtbild zu lästern, dann wird es gefährlich. Er ist Vorbild und macht so Stimmung. Sobald die Menschenwürde keine Rolle mehr spielt, wird es gefährlich, das hatten wir alles vor knapp 100 Jahren. 

Hat sich das gesellschaftliche Klima denn wieder verändert?

Ja, ganz eindeutig. Immer wenn ich mich öffentlich gegen Rechtsextremismus äußere, bekomme ich jetzt Anrufe. Aber das Schöne ist: Die ganzen rechten Sympathisanten sind feige, wenn man Argumente liefert. Ich komme aus Nordrhein-Westfalen und halte mit meiner Meinung nicht hinterm Berg. Ich bin sehr stolz auf unsere wehrhafte Satzung. Darauf, dass der Landesverbandstag im Jahr 2024 mit großer Mehrheit beschlossen hat, die Satzung zu ändern. Der Sozialverband VdK wendet sich deutlich gegen jegliches Verhalten und gegen jegliche Äußerungen, die die Menschenwürde verletzen und wirkt gegen jede Art von Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus und Benachteiligung. Ich organisiere im Namen des Sozialverbands VdK Demonstrationen gegen Rechtsextremismus. Wir sollten niemals schweigen. Die demokratische Mehrheit ist doch da! Der Sozialverband VdK ist sehr wichtig für den Erhalt der Demokratie. An uns kommt man nicht vorbei. Hier in Waldkirch nicht.

Wie haben Sie das geschafft?

Wir mischen uns ein. Wir nutzen auch die Rede zum Volkstrauertag für die politische Botschaft. 

Und wir sind hier sehr gut vernetzt mit der Stadt, den anderen Verbänden, wir haben ein großes Bündnis für Pflege gegründet. Wir bauen gerade gemeinsam eine sorgende Gemeinde auf. Pflege kann man ja so angehen, dass man sagt, wir müssen alles professionalisieren. Wir wollen hier in Waldkirch aber die Quartiere stärken: Nachbarn, die füreinander einkaufen gehen und aufeinander achten. Diese dörflichen Strukturen gehen in den Städten leider verloren.

Ja, wir als Sozialverband VdK sind hier wer mit 840 Mitgliedern. Pro Woche haben wir zwei Neuaufnahmen. Und über diese Vernetzung können wir ja auch ganz direkt helfen. Letztens saß jemand bei mir in der Beratung. Er war verzweifelt, weil er seine Zahnarztrechnung nicht zahlen konnte. Da haben die Rotarier für diesen Notfall das Geld zur Verfügung gestellt. Ganz unbürokratisch. In Zukunft werden wir an den Zähnen der Menschen wieder Armut erkennen können.

Welche Themen sollte die neue Landesregierung anpacken?

Die neue Landesregierung sollte vergessen, dass es einzelne Parteien gibt. Sie sollte einfach gemeinsam pragmatisch vorangehen. Und für Teilhabe für jeden einzelnen Menschen sorgen. Niemand sollte sich schämen müssen, wenn er in eine Notlage gerät und um Hilfe bitten muss. Jeder Mensch ist gleich viel wert.

Ist das Ehrenamt wichtig für den Erhalt der Demokratie?

Natürlich: Das Ehrenamt ist das verbindende Glied unserer Gesellschaft! Ehrenamtliche geben Sicherheit, sorgen dafür, dass sich niemand allein und ausgegrenzt fühlt. 

Und Ehrenamt bewegt etwas. Zum Beispiel die Kundgebung hier in Waldkirch: Wenn aus dieser Menge nur drei Leute mehr zum Wählen gegangen sind, dann haben wir gewonnen.

Das Gespräch führte Julia Nemetschek-Renz