Kategorie Inklusion Sozialpolitik Teilhabe

Kundgebung – Inklusion ist kein Sparmodell!

Ein Meer aus Regenschirmen, bunte Plakate und eine laute Forderung: Teilhabe ist ein unverhandelbares Menschenrecht. Mehrere Hunderte Menschen gingen trotz Regen am 5. Mai 2026 in Stuttgart auf die Straße, um am europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen für deren Rechte einzustehen. Dabei besonders im Fokus war die Debatte um Kosteneinsparungen, die sich jüngst durch ein öffentliches gewordenes internes Arbeitspapier von Bund und Ländern zu Einsparungen in der Eingliederungshilfe verschärft hatte.

Hunderte Menschen auf offener Straße in Stuttgart
© VdK LV

Der Titel der Kundgebung – „Inklusion ist kein Sparmodell“ – war somit Programm. Direkt bei Eröffnung fand Initiatorin Nora Welsch, Landesbehindertenbeauftrage in Baden-Württemberg, klare Worte: „Inklusion kostet Geld. Aber wissen Sie, was wirklich teuer ist? Ausgrenzung ist teuer.“ 

Hunderte demonstrieren in Stuttgart

Auch VdK-Landesobmann für die Schwerbehindertenvertrauenspersonen (SBVkurz fürSchwerbehindertenvertretung), Roger Hahn, hob dies im Rahmen der Podiumsdiskussion hervor. Diskussionen über Einsparungen seien in ihrem Kern eine Debatte um Einschränkungen bei der Teilhabe. Eine Teilhabe, die sich nach individuellen Bedürfnissen richtet und Selbstbestimmung ermöglicht, müsse unabhängig von der Kostenfrage sichergestellt werden. Dieses individuelle Teilhabeverständnis ist seit 2017 im Bundesteilhabegesetzes (BTHG) rechtlich verankert. 

Der Bundesbehindertenbeauftragte Jürgen Dusel stellte konkrete Forderungen auf, wo Kosten eingespart werden müssten, ohne bei den Leistungen zu sparen. Dabei benannte er sowohl Bürokratieabbau als auch eine Verbesserung der Arbeitschancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. 

Umrahmt wurde die Veranstaltung zudem unter anderem vom Berliner Rapper Graf Fidi, der mit seinen Liedern gegen Vorurteile ankämpft, und dem vhs-Gebärdenchor Sign Singers, der Lieder in Gebärdensprache übersetzt. Gelebte Inklusion wurde so vor Ort sichtbar und vereinte die Teilnehmenden mit und ohne Behinderungen. 

Aus dem Stadtzentrum Stuttgarts hallt somit auch nach dem Protesttag noch nach: Menschen mit Behinderung gehören in das Zentrum der Gesellschaft – ihre Teilhabemöglichkeiten dürfen nicht aus Kostengründen eingeschränkt werden.