Kategorie Gesundheit

Die stille Krise in unserer Gesellschaft

Von: Rebecca Schwarz

Es sind alarmierende Zahlen: Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung fühlen sich rund 30 Prozent der Menschen in Baden-Württemberg einsam. Betroffen sind nicht nur ältere Menschen – denn Einsamkeit ist zu einer generationenübergreifenden Gefahr auch für junge Menschen geworden. Politik, Kommunen und Initiativen reagieren zunehmend mit Projekten und Förderprogrammen. Doch klar ist: Wir alle sind gefragt! Einsamkeit zu bekämpfen, ist nicht allein Aufgabe des Staates. Jeder einzelne kann etwas dazu beitragen, die Gemeinsamkeit in der Gesellschaft zu stärken.

Ältere Frau sitzt alleine an ihrem Essenstisch, sie stützt sich auf einen Arm und blickt aus dem Fenster.
30 Prozent aller Erwachsenen in Baden-Württemberg fühlen sich einsam. © iStock.com/Tero-Vesalainen

Jeder Dritte von Einsamkeit betroffen

In der dunklen Jahreszeit einsam zu Hause sein und Weihnachten alleine verbringen müssen – gerade rund um die Feiertage ist das Thema Einsamkeit präsent. Doch Einsamkeit ist keine Saisonerscheinung. Und Einsamkeit beschränkt sich nicht auf bestimmte Personengruppen. Sie macht nicht Halt vorm Dorf, sie beschränkt sich nicht auf die Großstadt, sie trifft nicht nur die eine Generation. 

Gefährdet sind wir alle: Arme, kranke und alte Menschen, junge Menschen in der Stadt, Menschen nach einer Trennung oder Scheidung, nach einem Umzug oder Todesfall.

Wenn die eigenen sozialen Kontakte nicht ausreichen, sie nicht den persönlichen Bedürfnissen und Wünschen entsprechen, dann spricht man von Einsamkeit. Einsamkeit ist also ein subjektives Gefühl. Und dieses betrifft in Baden-Württemberg jeden dritten Menschen. 

Folgen von Einsamkeit

Die Folgen? Immens. Sowohl gesundheitlich als auch gesellschaftlich. Einsamkeit führt zu Depression, Bluthochdruck, Herz-­Kreislauf-Erkrankungen sowie zu einem geschwächten Immunsystem. Einsame Menschen ziehen sich noch mehr zurück, die Teilnahme und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nimmt immer weiter ab. Und das hat auch Folgen für die Demokratie: 

Aktuelle Studien zeigen, dass einsame Menschen eher populistischen Ideen folgen, häufiger Verschwörungstheorien glauben und autoritären Haltungen zustimmen. Daher wird das Thema Einsamkeit auch politisch relevanter und allgemein präsenter – viele Städte und Gemeinden arbeiten an Konzepten gegen Einsamkeit. 

Hierfür fordert der Städte- und Gemeindebund einen 500-Millionen-Fonds gegen Einsamkeit. So fördert beispielsweise die Landesregierung Baden-Württemberg derzeit im Rahmen eines Ideenwettbewerbs kreative Projektideen, die neue Ansätze zur Bekämpfung von Einsamkeit vor Ort erproben. Damit möchte das Land die neuen Ideen finanziell bei der Umsetzung unterstützen.

Projekte gegen Einsamkeit

In der Stadt Stuttgart gibt es die Initiative „Gemeinsam gegen Einsamkeit“ mit einer Übersicht von verschiedenen geselligen Angeboten. Von Dezember bis Januar führte die Landhauptstadt außerdem zum dritten Mal die Kampagne „GemEINSAMkeiten“ durch: Sie richtet sich an Menschen jeden Alters und in jeder Lebenssituation, soll für das Thema sensibilisieren und auch Mut machen, offen über Einsamkeit zu sprechen.

Erst kürzlich fand in Karlsruhe ein Fachtag zum Thema Einsamkeit statt. Auch hier ging es darum, gemeinsame Lösungsansätze gegen Einsamkeit zu entwickeln. Hierfür wurden Fachkräfte und Engagierte aus unterschiedlichen Bereichen eingeladen. Schon vergangenes Jahr bot Karlsruhe verschiedene Aktivitäten gegen Einsamkeit an – gefördert vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg. Es tut sich also was im Ländle.

Nordrhein-Westfalen zeigt mit seinem Landesaktionsplan „Du + Wir = Eins – Nordrhein-Westfalen gegen Einsamkeit“ bereits, wie wichtig die Initiative gegen Einsamkeit ist. Sogar der Engagementpreis NRW 2026 steht unter dem Motto „Begegnen. Bewegen. Verbinden. – gemeinsam aus der Einsamkeit“. Und im Ausland ist man schon weiter: Großbritannien hat bereits 2018 das Ministerium für Einsamkeit eingerichtet. Damit unterstützt die britische Regierung von ganz oben Projekte und Initiativen, um die Einsamkeit in der Bevölkerung zu verringern.

Es braucht den Menschen

Menschen aus der Isolation holen. Menschen verbinden. Einsamkeit lindern. Wenn die Regierung finanzielle Mittel bereitstellt, ist das ein erster und wichtiger Schritt. Doch der Staat allein wird das Problem nicht lösen. Vor Ort brauchen wir Menschen, die anpacken. Eine Gesellschaft, die aufeinander achtet. Die Nachbarschaft, die unterstützt. In der Großstadt und auf den Dörfern.

Einsamkeit darf kein Tabu sein. Schauen Sie deswegen genau hin. Achten Sie auf Ihre Mitmenschen. Denn Gemeinschaft entsteht nicht zufällig – sie braucht jeden einzelnen von uns!