„Die Bedeutung der Telemedizin wird stark zunehmen“
Telemedizin heißt: Ich muss keine Arztpraxis aufsuchen, sondern bekomme zu Hause am Laptop oder Smartphone direkten ärztlichen Rat in einer Video-Sprechstunde. Möglich macht das die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) mit ihrer digitalen Plattform docdirekt.

Über docdirekt
Tausende Patientinnen und Patienten nutzen docdirekt jeden Monat als niederschwelliges medizinisches Angebot. Verpassen kann man auf docdirekt nichts: Erkennt das System – nach Eingabe der Fakten – dass eine persönliche Sprechstunde notwendig ist oder sogar ein Notfall vorliegt, wird man gebeten, eine Arztpraxis aufzusuchen oder die 112 zu wählen. Der ärztliche Bereitschaftsdienst mit der bundesweiten Rufnummer 116 117 arbeitet mit docdirekt zusammen und überweist Patientinnen und Patienten aus Baden-Württemberg direkt an die Online-Sprechstunde, wenn sich der Fall für die Telemedizin eignet.
Bundesweit ist der telemedizinische Service von Externer Link:docdirect einzigartig. Auch deshalb wurde docdirekt im März 2026 vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Berlin für exzellente ambulante Versorgung ausgezeichnet. Wir haben mit der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der KVBW gesprochen.
Interview mit der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg
Im Interview erklärt Dr. Doris Reinhardt, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, warum die Telemedizin gerade in diesen Zeiten immer wichtiger werden wird.
Was ist Externer Link:docdirekt genau?
Externer Link:docdirekt ist ein digitales Versorgungsangebot der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. Ziel ist es, Patientinnen und Patienten eine schnelle Orientierung über das Versorgungsangebot zu geben, wenn sie Beschwerden haben. Unter docdirekt.de startet zunächst die sogenannte Ersteinschätzung, welche Beschwerden bestehen, wie stark sind diese et cetera. Das Ergebnis ist dann eine Beurteilung wie dringlich und an welchem Ort die Behandlung erfolgen sollte. Eignen sich die Beschwerden für eine telemedizinische Sprechstunde, werden die Patienten direkt online in ein virtuelles Wartezimmer geleitet. Von dort aus geht es dann weiter ins virtuelle Sprechzimmer zur ärztlichen Beratung mit dem Telearzt oder der Teleärztin per Video.
Das System ist einfach und niedrigschwellig durch die Nutzer zu bedienen. Es funktioniert sehr gut, etwa 80 bis 90 Prozent der Fälle können abschließend behandelt werden. Docdirekt ist ein für die Versicherten kostenfreies Angebot der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg und ohne weitere Verwertung der Gesundheitsdaten.
Welche Rolle spielt die Telemedizin für die ambulante Versorgung in Baden-Württemberg?
Wir rechnen damit, dass die Bedeutung stark zunimmt. Vor allem in der Akut- und Notfallversorgung ist die Klärung des Versorgungsbedarfs und dessen Dringlichkeit wichtig, bevor Kliniken und Praxen aufgesucht werden. Durch klare und verbindliche Ersteinschätzungsprozesse wird die Inanspruchnahme bedarfsnotwendig gesteuert. Nur so wird es gelingen, die Versorgung weiterhin zu bewerkstelligen. Wir können das nicht wie derzeit planlos in Praxen und Notaufnahmen der Kliniken zurollen lassen.
Welche medizinischen Fälle eignen sich für die telemedizinische Beratung?
Insbesondere die Beschwerdefälle, die keine umfangreiche körperliche Untersuchung erfordern sind bestens geeignet für eine telemedizinische Beratung und Behandlung.
Wäre es nicht sinnvoll, die 116 117 komplett mit der Notrufnummer 110 und 112 zu verbinden?
Das wird so kommen, ist aber eine echte technische Herausforderung. Wir arbeiten daran, dass eine digitale Fallübergabe zwischen der 116 117 und der 112 möglich wird. Eine organisatorische Verbindung halten wir für unrealistisch. Dafür sind die Fallkonstellationen viel zu unterschiedlich. Die gute Zusammenarbeit gibt es aber bereits heute.
Was wünschen Sie sich für unser Gesundheitssystem?
Die Probleme im Gesundheitswesen liegen auf der Hand. Eines davon ist, dass die Strukturen in der Versorgung, also Arztpraxen, Bereitschaftspraxen und Notaufnahmen, aufgesucht werden, ohne vorab zu klären, welcher Behandlungsort der richtige ist. Und wir geben viel zu viel Geld aus, um irgendwelchen bürokratischen Anforderungen zu genügen. Es gibt viele Situationen, in denen die Dokumentation länger dauert als die eigentliche Behandlung.
Die Fragen stellte Julia Nemetschek-Renz
Weitere Infos zu docdirect
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Haben Patientinnen und Patienten aus Baden-Württemberg gesundheitliche Beschwerden, können sie sich auf der Website docdirekt.de melden. Über docdirekt ist nach vorheriger Empfehlung eine persönliche Videosprechstunde mit erfahrenen Ärztinnen und Ärzten möglich. Das Angebot ist für gesetzlich Versicherte kostenlos. Für die Online-Sprechstunde braucht man eine stabile Internetverbindung und einen Laptop oder ein Smartphone mit Kamera und Mikrofon.
Externer Link: Direkt zu docdirect