Gemeinsam gegen Betrugsmaschen
Polizeipräsident Udo Vogel schließt eine Kooperationsvereinbarung mit dem Sozialverband VdK im Kreis Reutlingen über eine Zusammenarbeit bei der Warnung vor Enkeltricks & Co. Der VdK-Bezirks- und Kreisvorsitzende Jürgen Neumeister ist Sicherheitsberater für Senioren und hat die Kooperation mit auf den Weg gebracht.

Was sind Betrugsmaschen?
Wer kennt sie nicht, solche Schockanrufe oder weiß von ihnen aus den Erzählungen von Verwandten: „Heftig schluchzend meldet sich ein vermeintlicher Angehöriger und berichtet von einer dramatischen Notsituation, oft einem verschuldeten schweren Verkehrsunfall, bei dem ein Mensch gestorben ist.“ Klar, denken die meisten: der berühmte Enkeltrick.
Doch es gibt noch viel mehr Betrugsmaschen, die Senioren als Opfer auserkoren haben – an der Haustür etwa oder auch im Internet. Zu den immer mehr um sich greifenden Methoden zählen Betrug beim Online-Kauf, aber auch Romance-Scamming, also das Vorspielen der großen Liebe – mit keinem anderen Hintergrund als dem, an das Geld der Opfer zu kommen. All dem soll noch mehr ein Riegel vorgeschoben werden, wie Polizeipräsident Udo Vogel Mitte Juni erläutert.
Kooperation mit der Polizei in Reutlingen
Das Polizeipräsidium hat nun eine Kooperationsvereinbarung für ein Bündnis mit dem Sozialverband VdK geschlossen, um Senioren noch besser vor Betrug zu schützen. In anderen Regionen werden solche Vereinbarungen mit dem Kreisseniorenrat vereinbart – doch der Reutlinger Rat hatte sich aufgelöst, der Sozialverband VdK ist mit dem Vorsitzenden Jürgen Neumeister eingesprungen.
„Ich habe mich ja selbst von der Polizei zum Sicherheitsberater für Senioren ausbilden lassen und danach einige Informationsveranstaltungen für Ältere durchgeführt“, sagt Neumeister kurz vor der Unterzeichnung der Vereinbarung. Das oberste Ziel der Vereinbarung von Polizei und VdK sei laut Vogel: „Senioren sollen vor Kriminalität geschützt werden.“ Der Enkeltrick sei aber nur einer der Betrugsmaschen, die Kriminelle vor allem gegenüber Älteren anwenden. Leider immer wieder mit Erfolg, wie Vogel bedauert.
Das richtige Verhalten und Warnung von Senioren
Bei anderen Maschen stehen vermeintliche Amtspersonen (darunter auch Betrüger in Polizeiuniform) vor der Wohnungstür und wollen die Menschen überreden, ihnen Bargeld, Schmuck oder andere Wertgegenstände zu übergeben. Oder sie wollen sich Zugang zur Wohnung verschaffen.
Hier lautet der wichtigste Rat:
Keine Unbekannten in die Wohnung lassen. Im Zweifel sollten Senioren die 110, also die Polizei, anrufen.
Die Informationen über die richtigen Verhaltensweisen werden oft bei Vorträgen von Seniorennachmittagen oder ähnlichem vermittelt. Deshalb werden immer wieder Sicherheitsberater für Senioren ausgebildet. Zumeist sind das Menschen, die sich auch im Kreisseniorenrat engagieren, manchmal auch ehemalige Polizeibeamte, die dann ihr Wissen in Vorträgen an Ältere weitergeben.
Den Gedanken, dass jüngere Menschen doch nicht auf solche Schockanrufe hereinfallen würden, widerlegt Jürgen Neumeister. „Ich selbst wurde auch schon angerufen und hätte fast Geld überwiesen.“ Ihm sei ebenfalls vorgespielt worden, dass seine Tochter in einer schrecklichen Notsituation sei. Und auch der Polizeipräsident berichtet: „Erst vor kurzem haben mich zwei jüngere Bekannte angerufen, dass sie solche Anrufe erhalten haben.“
Die Prävention in dem Bereich sei ein enorm wichtiges Thema, „das mir sehr am Herzen liegt“; betont Udo Vogel. „Wir leben heute in einer Welt, in der ältere Menschen schamlos ausgenommen werden.“ Die Polizei habe schon viel zur Prävention getan, doch offenbar reiche das immer noch nicht aus. Gerade deshalb sei der Präsident sehr froh, nun mit dem VdK solch eine Kooperationsvereinbarung schließen zu können. „Wir treffen damit den Nerv unserer Mitglieder“, sagt Neumeister. Immerhin blicke der Sozialverband VdK im Kreis Reutlingen auf 5000 Mitglieder.