Hotelcharakter oder über längere Zeit eingeschlichene Mitbewohner zu bekom - men. Darüber reden wir und finden tole - rable Lösungen. Und je mehr selbst läuft, desto weniger Assistenz gibt es. Das Ziel ist, keine Assistenz zu benötigen – auch wenn das ein sehr hohes Ziel ist. Welche Rolle spielen Vertrauen und „Los - lassen“ bei Eltern im Prozess – und wo sehen Sie hier die größten Ängste oder Hürden? Es gibt ja verschiedene Themen, auf die Eltern vertrauen lernen müssen: einmal in das eigene Kind, dann in die fremden Assistenzen und schließlich in die soziale Gemeinschaft. Am Anfang konnten wir noch keine geleb - ten Geschichten erzählen, und wir haben mutige Eltern gefunden, die mit uns den Weg gestartet sind. Zwischenzeitlich wis - sen wir mehr, was zur Vertrauensbildung gut beiträgt. Wenn zum Beispiel ein Be - wohner auszieht und ein Platz neu belegt - wird, ist das ein mehrstufiger Kennenlern prozess inklusive der Eltern. Dann empfehle ich, mit den Assistenzen alle drei bis sechs Monate eine Reflexion - zu machen, damit die Verhaltens- und Be - dürfniswahrnehmungen abgeglichen wer den und Rollen sowie Schwerpunkte klar - sind. Hier lernen Eltern durch die Fach - kompetenz auch, was es bedeutet, loszu lassen. - Die Eltern, die möchten, können auch je derzeit mit mir ins Gespräch gehen. Hin und wieder machen wir auch Treffen vor Ort, zum Beispiel wenn die Bewohner - Maultaschen machen und zum Essen Fa - mily and Friends kommen dürfen. So be kommen sie einen Einblick in das Leben. Möchten Sie noch ganz konkret etwas zu den Ängsten von Ihnen, als Vater, sagen? Ängste sind die Sorge vor Vereinsamung oder Verwahrlosung – wobei selbstbe - stimmt natürlich auch eigene Wege be - deutet. Hürden liegen eher in den formalen Eck - punkten, wenn Anträge auf Bürgergeld oder Eingliederungshilfe so komplex und laufend befüttert werden müssen, dass man das Gefühl hat, die Papiere machen die Welt aus. Unser Konzept wird zuneh - mend bekannt – auch bei Behörden wie Jobcenter, Arbeitsagentur, Assistenzdiens - ten, Landratsamt oder Betreuungsbehör - de. Manchmal sind es dicke Bretter, die gebohrt werden müssen, manchmal erle - ben wir erfreuliche Unterstützung. Ohne Dranbleiben wird es aber nichts. Welche strukturellen oder bürokratischen - Herausforderungen begegnen Ihnen regel mäßig, wenn es um Finanzierung, Assis - tenz oder Behördenwege geht? Das Konzept geht in eine Nische, die es so bislang nach meiner Kenntnis noch nicht gegeben hat. Das zu vermitteln so - wie den Sinn und die Chancen aufzuzei - gen, erfordert ein wachsames Auge bei Bescheiden, Assistenzen und Behörden. 53