Kategorie Ortsverband Oberkochen

Rente mit 63 - Falsch oder richtig?

Worum geht es bei der Diskussion?

Die Bundesregierung plant auf Empfehlung der Alterssicherungskommission, die abschlagsfreie „Rente für besonders langjährig Versicherte“ (häufig „Rente mit 63“ genannt) schrittweise abzuschaffen. Das sorgt für Diskussionen. Die rentennahen Jahrgänge fragen sich, wann ihr wohlverdienter Ruhestand beginnt und ob sie ihn sich überhaupt leisten kann. Dabei werden sie durch teils unsachliche Debatten massiv verunsichert. Ein Blick auf die Fakten hilft:

Fakt oder Falsch? "Mit 63 kann man abschlagsfrei in Rente gehen"

Wer 35 Versicherungsjahre vorweist, kann zwar weiter ab 63 Jahren in Rente gehen – aber mit erheblichen Abschlägen. Für den Jahrgang 1963 betragen diese 13,8 Prozent im Monat. Wer auf 45 Jahre Beitragsjahre kommt und am 1.Januar 1962 geboren wurde, kann ab dem 1. September 2026 abschlagsfrei in Rente gehen – nach 64 Jahren und acht Monaten.

„Die abschlagsfreie Rente mit 63 ist schon längst Vergangenheit“, macht VdK-Präsidentin Verena Bentele deutlich. „In der aktuellen Debatte geht es vielmehr um die Rente mit 65 und um die Frage, was auf die Menschen, die 1964 oder später geboren wurden, zukommt.“ Nach den Vorschlägen der Alterssicherungskommission könnten künftig auch bei einem Renteneintritt mit 65 Jahren Abschläge von sieben Prozent oder mehr drohen.

Fakt oder falsch? "Deutschland erlebt eine Welle der Frühverrentung"

Falsch ist die häufig gehörte Behauptung, Deutschland erlebe eine Welle der Frühverrentung. Die Zahlen zeichnen ein anderes Bild: Zwischen den Jahren 2010 und 2025 sank die Zahl der Frühverrenteten in der Altersgruppe von 60 Jahren bis zur Regelaltersgrenze von rund 1,3 Millionen auf 1,25 Millionen. Gleichzeitig vervielfachte sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in dieser Gruppe von 1,2 auf 3,9 Millionen. Der Anteil der vorgezogenen Altersrenten sank von 28 Prozent auf rund 16 Prozent.

„Von einer Frühverrentungswelle kann angesichts dieser Entwicklung keine Rede sein“, sagt Bentele. „Wir sehen vielmehr einen starken Anstieg der Beschäftigung Älterer. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Stabilisierung der Rentenkasse.“ 

Fakt oder falsch? "Viel mehr Männer gehen abschlagsfrei in Rente"

Auch das Bild von der abschlagsfreien Rente als vor allem männliches Privileg greift zu kurz. Mehr als 45 Prozent der Menschen, die diese Rente Jahr für Jahr in Anspruch nehmen, sind Frauen. Insgesamt beziehen bereits rund 1,2 Millionen Frauen diese Leistung. Zugleich liegt mehr als der Hälfte der neu bewilligten abschlagsfreien Renten für Frauen unter 1450 Euro.