Auracast: Neue Hörtechnik für Menschen mit Hörbeeinträchtigung
Liebe Mitglieder,
ich möchte Sie auf eine neue Technik hinweisen, die für Menschen mit Hörbeeinträchtigung bei Sitzungen, Veranstaltungen und Durchsagen wichtig werden kann: Auracast.
Was ist Auracast?
Auracast ist ein neuer Bluetooth-Standard. Er funktioniert wie ein Radiosender: Einer sendet, beliebig viele empfangen. Empfangen können Hörgeräte, Cochlea-Implantate (CI) oder handelsübliche Kopfhörer. Viele Kopfhörer, Fernseher und Lautsprecher beherrschen die Technik bereits, werben aber kaum damit.
Was gibt es bisher?
In manchen Sälen ist eine Induktionsschleife verlegt. Hörgeräte mit eingebauter T-Spule empfangen den Ton darüber direkt. In Deutschland sind solche Anlagen allerdings selten.
Die beiden Techniken im Vergleich
Induktionsschleife:
- bewährt und heute noch der etablierte Standard, besonders für Menschen mit starker Hörbeeinträchtigung
- einfach zu nutzen: Hörgerät umschalten, fertig
- Ton kommt ohne Verzögerung an
- nur ein Tonkanal
- Einbau und Wartung aufwendig, vor allem in bestehenden Gebäuden
Auracast:
- Einbau in vielen Fällen günstiger und schneller zu prüfen
- mehrere Tonkanäle möglich, zum Beispiel für andere Sprachen oder für Audiodeskription für Menschen mit Sehbeeinträchtigung
- auch mit normalen Kopfhörern nutzbar; das hilft auch Menschen, die (noch) kein Hörgerät tragen
- bisher können weniger als 10 Prozent der Hörgeräte Auracast empfangen; bei leistungsstarken Hörgeräten und CI gibt es noch Lücken
- die Bedienung ist komplizierter, oft wird eine App auf dem Smartphone gebraucht
- die Tonverzögerung (Latenz) ist mit professionellen Anlagen gering genug, damit Lippenbild und Ton zusammenpassen; mit einfachen Geräten kann es hier Probleme geben
Was sagen die Selbsthilfeverbände?
Der Deutsche Schwerhörigenbund (DSB), die Deutsche Cochlea Implantat Gesellschaft (DCIG) und der Deutsche Hörverband (DHV) haben im Juli 2026 ein gemeinsames Positionspapier veröffentlicht. Kernaussage: Auracast hat großes Potenzial und kann die Induktionsschleife langfristig ersetzen. Weil Hörgeräte viele Jahre genutzt werden, dauert das aber. In der Übergangszeit muss die Induktionsschleife weiter nutzbar bleiben.
Die Verbände empfehlen:
- bei Neuinstallationen: Induktionsschleife plus Auracast (integriert oder vorbereitet)
- bei bestehenden Schleifen: Ergänzung durch einen Auracast-Sender, die vorhandenen Mikrofone können weiter genutzt werden
- Leihgeräte mit Kopfhörer oder Halsringschleife für Personen ohne passendes Hörsystem
- gut sichtbare Hinweise vor Ort, auf der Homepage und in Einladungen
Fazit: Auracast ist eine sinnvolle Ergänzung, aber noch kein Ersatz. Bei Neubau, Sanierung oder der Ausstattung von Sitzungsräumen sollte beides mitgedacht werden.
Zum Weiterlesen:
Positionspapier DHV/DCIG/DSB: Externer Link:https://schwerhoerigen-netz.de/wp-content/uploads/2026/08/DHVDSBDCIG_Positionspapier_Auracast.pdf
heise-Hintergrundartikel vom 18.10.2026: Externer Link:https://www.heise.de/hintergrund/Missing-Link-Barrierefreiheit-mit-Bluetooth-wie-weit-ist-Auracast-wirklich-11490616.html
Mit freundlichen Grüßen
Roger Hahn