Sichtbarkeit durch Schauspiel Christina Athenstädt über Verantwortung, Authentizität und ihre Rolle in „Die Heiland – Wir sind Anwalt“ Christina Athenstädt ist Schauspielerin – und vielen Zuschauerinnen und Zuschauern vor allem als blinde Anwältin aus der ARD-Serie „Die Heiland – Wir sind Anwalt“ bekannt. Für diese Rolle hat sie sich intensiv mit dem Leben von Menschen mit Behinderung auseinandergesetzt, obwohl sie selbst nicht behindert ist. Ihre Darstellung hat bei vielen Betroffenen große Resonanz ausgelöst und Diskussionen über Sichtbarkeit, Authentizi- tät und Teilhabe angestoßen. Wie hat Ihre persönliche Geschichte Sie zu der Schauspielerin gemacht, die Sie heute sind? Was aus Ihrer Kindheit oder Jugend wirkt bis heute in Ihrer Arbeit nach? Ich bin in einem Umfeld groß geworden, in dem soziales Miteinander und respektvol- ler Umgang wichtiger waren als Leistung oder Erfolg. Vielleicht bin ich als Schau- spielerin deshalb nicht ehrgeizig genug, aber ich habe mich mit mir selbst und in den Ensembles, in denen ich gespielt habe, immer wohlgefühlt. Ich glaube, das macht auch was mit meinen Figuren und mit meiner Wirkung vor der Kamera. Sie spielen in der ARD-Serie „Die Heiland dar. Ich musste mich entscheiden, wie meine Romy Heiland mit ihrer Blindheit umgeht. Wie sicher sie sich bewegt, wel - che Hilfen sie bevorzugt, aber auch, wie sie zu ihrer Behinderung steht. Ich habe mir ihre Kindheit und Jugend vorgestellt und versucht nachzuspüren, ob sie sich einsam gefühlt hat, ob es Wut gab, und wie sie zu ihrer Kraft gefunden hat. Das ist die Rollenarbeit, die ich mit jeder Figur mache, aber in diesem Fall habe ich das Gefühl, eine größere Verantwortung zu ha - ben. Es ärgert mich, wenn ich feststelle, - dass ich unter dem Zeitdruck der Dreh arbeiten bestimmte Aspekte der Blindheit nicht mitgedacht habe. – Wir sind Anwalt“ eine blinde Anwältin. Welche Vorbereitung war für Sie beson - Wie war es für Sie, eine Figur mit Behinde - ders wichtig, um den Alltag einer blinden rung zu verkörpern – besonders, weil Sie Person realistisch darzustellen? Und gab selbst nicht blind sind? Ich hatte Sorge, dem nicht gerecht zu wer - den. Es ist auch sehr komplex. Mit stark eingeschränktem Sehvermögen zu leben stellt sich für jeden Betroffenen anders es Momente, in denen Sie überrascht wur - den von eigenen Erfahrungen oder Reakti - onen im Alltag? Ich habe mit einem Bewegungstrainer für Blinde geübt, mich mit dem Blinden- 25